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TEE AUS TAIWAN

Taiwan Landscape

Dank ihres tropischen Klimas und gebirgigen Landschaft bietet die Insel, die mit sechs Gipfeln über 3500 Metern zu einer der höchsten der Welt zählt, die idealen Wachstumsbedingungen für eine Vielfalt verschiedener Teesorten.

Ray of lightIhre zaghaften Anfänge nahm die Kultivierung im späten 17. Jahrhundert nach der Vertreibung der Holländer durch die kaiserlichen Truppen, die Taiwan kurzerhand zur chinesischen Kolonie erklärten. Es folgte eine Welle chinesischer Einwanderer vor allem aus der nahe gelegenen Region Fujian, die nicht nur einheimische Teepflanzen mit sich brachten, sondern auch die meisterhafte Tradition ihrer Region, die auf der tropischen Insel bald auf fruchtbaren Boden stieß. Vor allem die fujiantypische, halboxidierte Teespezialität Oolong beschreibt wie keine andere Sorte den Erfolg des kleinen Inselstaates, der heute für 20% der weltweiten Gesamtproduktion von Oolongtees verantwortlich ist.

Nach der chinesischen Besiedelung Taiwans dauerte es ungefähr 100 Jahre, bis das Land nach Beendigung des zweiten Opiumkrieges den Handel mit dem Westen aufnahm. Eine zentrale Rolle dabei nahm der britische Unternehmer John Dodd ein, der nach der Öffnung des Hafens von Taipei 1867 ein Teehandelsunternehmen gründete, das sich auf sogenannte „Formosa Oolongs” spezialisierte und damit eine Alternative zum indischen Schwarzteemonopol bot. So waren es Oolong- und Baozhong-Tees, die zu den ersten Exportschlager der Qing-Dynastie zählten.

Mit der japanischen Eroberung Taiwans 1895 änderte sich die Situation grundlegend. Um die heimische Grünteeproduktion nicht zu gefährden und zugleich aus der hohen Nachfrage im Westens Profit zu schlagen, stellte die Besatzungsmacht die gesamte Produktion der Insel auf Schwarztee um. Das Kaiserreich setzte dabei auf eine Automatisierung der Teeproduktion und eine Weiterbildung der Teebauern und legte mit seinem radikalen Modernisierungskurs den Grundstein der heutigen Forschungs- und Entwicklungsinstitution Taiwans, der Taiwanese Tea Experiment Station (TTES).

Das Ende des zweiten Weltkriegs brachte die Unabhängigkeit – sowohl vom japanischen Aggressor als auch vom chinesischen Festland. Die folgende Umstellung der Teeproduktion auf Grüntee und Oolong ging mit einem beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung einher, der nicht zuletzt auf die Abkapselung Chinas während der Kulturrevolution zurückzuführen ist.

In dieser Zeit wurde der Teegenuss auf dem Festland als bürgerlich-dekadentes Überbleibsel streng bestraft, sodass chinesische Teekultur einzig in der Diaspora, allen voran Taiwan weiterlebte. Bis heute pflegt man in Taiwan eine traditionellere Form des Gong-Fu, der chinesischen Teezeremonie, bei der im Vergleich zur pragmatischeren modern-chinesischen Ausprägung des Festlandes größerer Wert auf das Elaboriert-Zeremonielle gelegt wird.

taiwan-tea-att-modif2-webTaiwans Erfolg als Teenation beruht in großem Maße auf der außergewöhnlichen Qualität seiner Tees und der Struktur seines Anbaus, die bis heute von einer Vielzahl kleiner Familienunternehmen geprägt ist. Dies spiegelt sich in der erstaunlichen Sortenvielfalt des relativ kleinen Inselstaates wider, bei der nicht zuletzt die TTES einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung neuer Kultivare leistete. Ein solcher High-Tech-Tee wie unser Gabacha, bei dem gedächtnisfördernde und gemütsaufhellende Aminosäuren durch technologisch-aufwändige Verarbeitung erhalten und potenziert werden, wäre ohne diese Zusammenarbeit nicht möglich gewesen. Ähnliches gilt für Four Seasons of Spring, dessen Name bereits Aufschluss über seine Besonderheit gibt: eine außergewöhnlich anpassungsfähige Züchtung, die auch in den Hochregionen des Landes gedeiht und über fünf Ernten im Jahr intensiv frühlingshafte Aromen verströmt.

Doch nicht alle Sorten sind das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung. Bai Hao zum Beispiel ist das Resultat eines glücklichen Übergriffs der heimischen grünen Teezwergzikade, deren Knabberdrang die Selbstverteidigungskräfte der Teepflanze aktiviert und so zu ihrem unvergleichlich spritzigem Geschmack und changierendem Farbenspiel beiträgt – eine Schönheit, die Queen Elizabeth II prompt mit dem Titel Oriental Beauty würdigte.

Die Wurzeln taiwanesischer Teekultur reichen zweifelsohne auf das chinesische Festland zurück. Als die ersten Einwanderer aus Fujian vor fast 400 Jahren die „schöne Insel” besiedelten, brachten sie eine Tee- und vor allem Oolongkultur mit, die bereits auf über 4000 Jahre zurückblickte. Auf der fruchtbaren Insel gedieh diese im Schatten tropischer Wälder und an den Hängen majestätischer Berge abgeschirmt vom Festland zu einer eigenständigen und stolzen Tradition, die mit landestypischen Aromen und eigenen Variationen einen bedeutenden Beitrag zur internationalen Teelandschaft geleistet hat.

image credits: Martin Moscosa