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CEYLON TEE

Sri Pada (Adam's peak) view. Sri Lanka.

In Anbetracht der jahrtausendealten Teekultur Ostasiens, ist ihre Geschichte als Teenation eine recht junge – und beginnt mit Plagen, die sich als Wegbereiter wahrer Segen entpuppen.

Als dritte Kolonialmacht nach Portugal und den Niederlanden, war es im Jahr 1796 das British Empire, das sich das ehemalige Ceylon einverleibte. Südöstlich von Indien im Indischen Ozean gelegen und schon seit der Antike strategischer Knotenpunkt für die Seefahrt zwischen Südost- und Westasien, hatte die East India Company ein Auge auf die fruchtbare Insel geworfen, die mit ertragreichem Zimt- und Kaffeehandel lockte. An schwarzen Tee, heute so untrennbar mit Ceylon verknüpft wie mit Darjeeling und Assam, dachte man damals allenfalls hinsichtlich der idealen Lage Ceylons als Stützpunkt für britische Unternehmungen in Indien.

Zwar wurde die geschätzte Camellia sinensis schon 1824 in Ceylon eingeführt und erfolgreich kultiviert, doch diente sie als bloßes Ansichtsexemplar für den botanischen Garten in Peradeniya. Dreiundvierzig Jahre später waren es Samen eben dieser Teepflanzen aus Peradeniya, die der experimentierfreudige Schotte James Taylor erhielt, um auf nur 7 Hektar Land eine erste Plantage anzulegen – gerade noch rechtzeitig, bevor der „kostbarste Kolonialbesitz“ Großbritanniens, wie Premierminister William Pitt die Insel nannte, seine wertvollen Kaffeepflanzen einbüßte und damit an den Rand des wirtschaftlichen Ruins getrieben wurde. Hierfür verantwortlich zeichnete sich die Rostpilzseuche, die Ceylon ab 1869 überschwemmte und die Kaffeeproduktion im folgenden Jahrzehnt vollständig zum Erliegen brachte. Indem sie dem Beispiel Taylors folgte, der mit dem Anbau von Tee so erfolgreich war, dass er bereits 1873 die ersten 10 Kilogramm Ceylon-Tee nach England ausführen konnte, erholte sich die Plantagenwirtschaft von diesem Schlag.

Heute sind es kaum vorstellbare 200.000 Hektar des Landes, die dem Anbau der wichtigsten Agrarpflanze vorbehalten sind – zum Vergleich: Ganz Japan produziert nur auf knapp einem Viertel dieser Fläche! Die sieben Anbaugebiete Sri Lankas rund um den heiligen Berg Sri Pada (früher Adam’s Peak) kultivieren sowohl die Camellia sinenis sinensis, als auch das in Indien heimische Tropengewächs Camellia sinensis assamica. In circa 600 Fabriken zum weltweit berühmten Ceylon-Tee verarbeitet, gehen mehr als 90 % des Ertrages in den Export. Bei dieser schieren Masse handelt es sich natürlich nur zum kleinen Teil um hochwertige Spitzentees, die Genießergaumen entzücken.

Unterscheiden lässt sich zuerst einmal nach low grown (bis 600 m ü. M.), mid grown (600-1200 m ü. M.) und high grown (über 1200 m ü. M.). Denn da sich je nach Höhenlage und entsprechenden klimatischen Bedingungen charakteristische Geschmacksprofile erkennen lassen, ist Sri Lanka neben Taiwan die einzige Teenation, die ihre Tees so klassifiziert. Knapp die Hälfte der sri-lankischen Tees sind low growns aus den Gebieten Rahuna und Sabaragamuwa. Langen, heißen Sonnenperioden ausgesetzt, resultiert ein Tee mit einer fast schwarzen, kräftig-derben Tasse und hohem Tanningehalt, der zum Teil mit Hilfe der CTC-Methode zu minderen Supermarktqualitäten konfektioniert oder für Blends verwendet wird.

Nördlich der Bergstadt Kandy, wo die ceylonesische Teeproduktion auf Taylors Plantage Loolecondera ihren Anfang nahm, wachsen die mid growns – vollmundige, kräftig-würzige Tees mit ebenfalls hohem Tanningehalt und tiefkupferroter Tasse.

Tea crops gathering process. Bogawantalawa Valley. Sri Lanka.

Immerhin 20% der jährlichen Ausbeute wird in den Hochlandgebieten Uva, Dimbula, Uda Pussellawa und Nuwara Eliya gewonnen. Die hier produzierten Tees sind die begehrtesten der Insel, da das langsamere Wachstum in Höhenlagen dem Tee ein besonders intensives und feines Aroma und eine rotgoldene Tasse verleiht.

Einen Sonderstatus nimmt das höchstgelegene Gebiet Nuwara Eliya ein. Im Unterschied zu den übrigen Regionen wird in den insgesamt nur sieben Teegärten des Gebiets am Fuße des Berges Pidurutalagala vernehmlich die aus China stammende Camellia sinensis sinensis gepflanzt und – ausgenommen Frostperioden – das ganze Jahr hindurch Spitzenqualität erzielt. Das runde Aroma ist geprägt vom Duft der umliegenden Eukalyptus- und Zypressenhaine.

Mit einer weichen und vollmundigen kupferfarbenen Tasse mit süßlichem Aroma, ist auch der Tee aus der dünn besiedelten Provinz Uva heiß begehrt. Im Südosten der Insel zwischen wunderschönen Wasserfällen, Flüssen, Gebirgszügen und Nationalparks gelegen, werden die besten Tees – wie unser Kipling’s Cup – hier zwischen Juli und September geerntet, wenn ein trockener Wind das Gebiet durchfegt.

Ein knappes halbes Jahrhundert nach dem Ende der Kolonialzeit sind etwa zwei Drittel der Teeplantagen in staatlichem Besitz. Der Tee Sri Lankas, weltweit berühmt und unter Kennern hochgeschätzt, bildet die Lebensgrundlage für etwa 10% der Bevölkerung.

 image credits: Mstyslav Chernov