Tee-Pferde-Straße von Pu-Erh nach Tibet

Die Geschichte des dunklen Tees begann vor langer Zeit und hinterlässt eine Spur auf den sich verwinkelten Bergpfaden zwischen China und Tibet bis zu dem heute mit Kultstatus verehrten Pu-Erh-Tee.

Zeitweise verschwunden, nie ganz vergessen, erweckt die ehrwürdige Kategorie des dunklen Tees Erinnerungen an lange Handelsreisen auf den sich ewig windenden Bergpfaden zwischen China und Tibet. Um 700 n. Chr. entstand eine Handelsroute mit dem passenden Namen Tee-Pferde-Straße. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Tee eine Form der Währung zwischen den beiden Nachbarn – Tee wurde für starke tibetische Pferde eingetauscht, um die chinesische Grenze gegen die ständig drohende Invasion der Mongolen zu verteidigen. Im Gegenzug wurde Tee mit all seiner natürlichen Reichhaltigkeit an Nährstoffen zu einem wichtigen Grundnahrungsmittel für die Menschen im kargen tibetischen Hochland. Nach tibetischer Sitte wurde Tee mit Yak-Butter zubereitet, um ein dickflüssiges, salziges Gebräu zu erhalten, reich an den in höheren Lagen benötigten Kalorien. Ein wirklich guter Tausch!

 

Nebenbei bemerkt drangen die Mongolen im 13. Jahrhundert schließlich doch in China ein, ohne jedoch die kulturellen Bindungen zu beeinträchtigen, die durch die Tee-Pferde-Straße entstanden sind. Die Handelsroute wurde weiterhin für den Transport von Waren wie Seide und Salz genutzt und ermöglichte schlussendlich die Verbreitung des Buddhismus in weiten Teilen Ost- und Südostasiens.

Die ersten Tee-Pferde-Handelsreisen starteten in der chinesischen Stadt Pu’erh in der Provinz Yunnan, wo der Tee gepflückt und in transporttaugliche Formen wie Ziegel, Kuchen, Nester und Perlen gepresst wurde. Dieser Tee erhielt den Namen Pu-Erh als Verweis auf seine Reise aus China.

Im Lauf der Zeit wurden allerdings zu Unrecht alle fermentierten und gepressten Tees unter dem Namen Pu-Erh zusammengefasst. Wie Darjeeling jedoch ist Pu-erh der Name eines geografischen Ursprungs und sollte nur für Tees aus dieser Region verwendet werden, unabhängig von der Art des Tees. Das heißt, dass fermentierte dunkle Teesorten generell aus anderen Teilen Chinas bzw. andere Teesorten aus der Stadt Pu-erh stammen können, beispielsweise unser weißer Tee Pu Er Bai Ya.

Die frühesten Aufzeichnungen von Männern, die huckepack mit großen Mengen an gepressten Tees beladen über einige Wochen hinweg nach Tibet liefen, stammen aus der Tang-Dynastie, etwa zeitgleich mit der Entdeckung von fermentiertem Tee. Dank des heißen und feuchten Klimas von Yunnan entsteht eine natürliche Fermentation innerhalb des gepressten Tees und durch diesen biologischen Prozess wir erhalten eine wunderbare Erweiterung der Geschmacksvielfalt. Die Fermentation wurde immer wieder hinterfragt und unter die Lupe und hat sich schließlich einen Kultstatus unter Kennern erobert, nicht zuletzt aufgrund des komplexen Geschmacks, der über die Jahre, ähnlich wie bei gut gelagertem Wein, an Qualität zunimmt.

Pu-erh ist der gängige Name für einen Tee, der durch den Einsatz von Mikrokulturen geprägt ist. Aber ähnlich wie in China bevorzugen wir die Kategorie Dunkler Tee als Bezeichnung, ausgehend von der Farbe des Aufgusses. Aus diese Weise kann sich diese komplizierte Kategorie über Geschichte und Ursprung hinaus entfalten. Mit Blick auf den ständigen Wandel in der Welt des Tees und darüber hinaus kann man dunkle Teesorten entdecken, die außerhalb des Pu-Erh-Gebiets hergestellt werden, sowie ein wieder aufkommendes Interesse an der Fermentation als kulinarisches Instrument für neue und aufregende Geschmacksrichtungen.

Die Kategorie Dunkler Tee beinhaltet sämtliche fermentierten Tees, aufgeteilt in zwei Gruppen: Sheng und Shou.

Sheng oder roher Tee

Traditionsgemäß in verschiedene Formen gepresster Grüntee. Der Tee wird in natürlich heißen und feuchten Umgebungen gelagert, in denen die Mikrokulturen gedeihen. Bakterien stoßen den Prozess der Fermentation an, sobald sie in Kontakt mit den Blättern kommen, ein biologischer Reife- und Alterungsprozess, der dem Tee über Zeit einen süßlichen, seidigen und vollmundigen Gechmack verleiht.

Shou oder gereifter Tee

Grüne Teeblätter werden in einer manuell kontrollierten Umgebung aufbewahrt, um die Mikro-Fermentation zu beschleunigen. Die Reifung eines Shou Pu-Erhs gilt als abgeschlossen, wenn der Aufguss die charakteristische Geschmacksvielfalt aus warmen und erdigen Noten aufweist, erinnernd an Pilze, dunkle Beeren, Tabak, Schokolade und Lakritz – so wie ein wirklich alter Sheng Pu-Erh schmecken würde.

Vintage Lotus

Unser Shou Pu-Erh, geerntet und verarbeitet in 2014

erdig, lakritz, schwarze johannisbeere

 

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