Japans Zeremonien-
meister

Der japanische Teemeister Sen no Rikyu legte im 16. Jahrhundert den Grundstein einer Tradition, die bis heute in den Teehäusern Japans und in den Herzen der Menschen weiter lebt.

Am 27. und 28. März ehrt man Jahr für Jahr an zwei der wichtigsten Teeschulen Japans den Mann, dessen Vermächtnis die japanische Teetradition bis heute maßgeblich prägt: Sen no Rikyu. Der japanische “Teeweg”, die als chado oder chanoyu bekannte Teezeremonie, existierte bereits vor Rikyu, doch war er es, der ihn mit den vier Grundprinzipien ausstattete – Prinzipien, die sich wie ein roter Faden durch fast jeden Bereich kulturellen Schaffens ziehen. Basierend auf Harmonie, Hochachtung, Reinheit und Stille, schuf Rikyu eine Zeremonie, die von einer bäuerlichen Schlichtheit und der Philosophie des Zen beeinflusst wurde.

Sen No Rikyu

Rikyu (im Bild rechts) wurde 1522 als Sohn einer wohlhabenden Familie in Sakai, unweit der Stadt Osaka, geboren. Sein Geburtsort war eines der Hauptzentren japanischer Teekultur und ermöglichte es ihm bereits als Heranwachsender unter einigen der wichtigsten Teemeister seiner Zeit zu studieren. Die japanische Teezeremonie und der Zen-Buddhismus waren schon immer eng miteinander verknüpft, so dass Rikyu wie fast alle Teemeister auch im Zen unterrichtet wurde. Während dieser Zeit verfasste er eines seiner berühmtesten Gedichte, in dem sich bereits, als Vorbote seiner späteren Entwicklung, eine tiefe philosophische Neigung offenbarte:

„Obwohl viele Menschen Tee trinken – wenn Du den Weg des Tees nicht kennst, wird der Tee Dich austrinken.“

Ohne eine spirituelle Wertschätzung für Tee, so glaubte Rikyu, verschwendete man die Erfahrung des Tees.

Rikyu trat in die Fußstapfen seiner Meister und erlangte selbst den Titel eines angesehenen Teemeisters, der im Dienste der mächtigen Daimyo stand, der Herrscher des feudalen Japans. Er entwickelte eine neue Art Teehaus, das bis heute fortlebt: schlichte, kleine, bäuerliche und ungeschmückte Zimmer, die Elemente aus der Natur mit einbezogen und dank niedriger Türen ein gebeugtes, demütiges Eintreten aller Gäste – vom mächtigen Samurai zum niederen Leibeigenen – verlangten. Er schuf auch solche schlichten Tee-Utensilien wie Teeschaufeln und Teebehälter, die er Teils eigenhändig aus Bambus schnitzte. Zu guter Letzt entwickelte Rikyu, den das in Mode gekommene, teure chinesische Teegeschirr wenig überzeugte, zusammen mit Handwerkern einen eigenen Keramik-Stil, dessen handgeformten, bäuerlichen Teeschalen sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen: den Raku-Stil.

“Besitzt du eine Kanne
Und kannst darin deinen Tee zubereiten
So besitzt du alles.
Wieviel fehlt demjenigen selbst
Der viele Dinge haben muss?”

Vor seinem Tod stand Rikyu im Dienste des Daimyo Toyotomi Hideyoshi, der als engster Berater des Kaisers auch Rikyu zu erheblichem Einfluss verhalf. Doch fiel Rikyu aus Gründen, die wohl ewig im Schleier der Geschichte verborgen bleiben, bei seinem Herren in Ungnaden und erhielt den Befehl zum rituellen Selbstmord. 1591 schrieb der Teemeister ein stoisches Todesgedicht bevor er sich im Alter von 70 Jahren durch rituelles Ausweiden das Leben nahm.

teahouse duo

Hauptbild oben: James Willamor | Sen no Rikyu: Wikimedia Commons | Bild unten links: photoantenna | Bild unten rechts: Sean Kirkpatrick