P & T Makers Interview mit Matthias Kaiser

Welche Beziehung hast Du persönlich und als Künstler zu Tee?

Ich habe während meiner Studienzeit in New York begonnen mich mehr für Tee zu interessieren, einerseits, weil ich mich mit traditioneller chinesischer Medizin beschäftigt habe und mich meine Wege daher häufig in die Teeläden nach Chinatown geführt haben, andererseits, weil ich in New York auch mit der Töpferei begonnen habe, die sehr eng mit der Teezubereitung verbunden ist. In Chinatown wurde ich zum Stammkunde bei Ten Ren Tea in der Canal Street und habe dort einen relativ hohen Prozentsatz meines damals geringen Einkommens gelassen. Vor Allem alte Pu-Erh-Tees um die 40$ die Unze hatten es mir angetan. Solch hochwertige Tees verlangen natürlich auch nach den richtigen Keramiken, sodass ich mich recht früh an das Töpfern von Teekannen gewagt habe, die vor Allem für Anfänger eine große Herausforderung darstellen. Als ich einige Jahre später nach Japan zog, lernte ich durch meinen Meister die japanische Teezeremonie kennen. Für ihn war das Studium der rituellen Zubereitung unabdingbar für jeden guten Töpfer. Auch bei der Arbeit gab es täglich Tee – die gemeinsame Pause wird sogar Ippuku genannt, wörtlich ein Becher voll (Tee). Auch im Iran, wo ich viele Jahre bei einem Derwisch Sufismus studiert habe, bildete Tee einen wichtigen Teil des Studiums und wurde zum Wachbleiben bei langen Meditationen getrunken. Tee versinnbildlicht für mich als Künstler den Menschen als geistiges Wesen, der Trost für das Dilemma der physischen Existenz sucht.

Inwiefern spielt dann das Behältnis, aus dem man Tee trinkt, eine Rolle? Das Tee trinken ist sehr stark kulturell geprägt. Man kann an der Auswahl der Accessoires viel über eine Gesellschaft, ihre Geschichte und ihre Ideale ablesen. Teezimmer gibt es in unterschiedlicher Ausformung von Japan bis England und das chinesische Teepicknick blickt bereits auf eine tausendjährige Geschichte zurück. Da der Genuss von Tee eine Zeit der Ruhe, des in sich Kehrens und der Kontemplation begleitet, sozusagen „quality time“ für sich selbst bedeutet, liegt es nahe, die dazugehörige Ausstattung auch dem eigenen Geschmack entsprechend zu gestalten. Natürlich spielt die Auswahl des Tees an sich und seine Zubereitung die Grundlage, aber die Erfahrung des Trinkens wird auch stark von der Inszenierung des Augenblicks beeinflusst.

Photo: Ian Orgias/Analogue life

Photo: Ian Orgias/Analogue life

Hast Du dabei eine besondere Tee-Erfahrung, an die du dich gerne erinnerst?

Eine meiner stärksten „tea experiences“ hatte ich an einer Bushaltestelle in Belutschistan, mit süßem Milchtee, aber aus antiken chinesischen Tassen getrunken, die dort wohl schon seit Jahrhunderten in Gebrauch waren, und all das auf Strohmatten zwischen großen LKW-Reifen. Es war die ungewöhnliche Kombination dieser Elemente und ihr starker Kontrast, der einen bleibenden Eindruck hinterließ. Insofern ist das Edle offen für Interpretation und das Naheliegende und Perfekte oft dem Unerwarteten und scheinbar Mangelhaften als Inspirationsquelle nicht gewachsen. So empfinde ich auch bei den Behältnissen für Tee einen eigenständigen Charakter und eine ablesbare Geschichte, sowohl der Herstellung als auch des Gebrauchs als einen erfrischenden Aspekt, der befriedigender ist als der offensichtliche praktische Nutzen.

Was ist Dir dann bei der Kreation und Produktion von Teezubehör wichtig?

Es sollte auf jeden Fall etwas weggelassen werden, damit der Benutzer die Gefäße gedanklich vollenden kann, in diesem eigenen kreativen Akt gefordert und mit Genugtuung belohnt wird. Die Kunst liegt darin die Gefäße so zu machen, dass ihnen trotzdem nichts fehlt.

Photo: Ian Orgias/Analogue life

Photo: Ian Orgias/Analogue life

Wann bist du zum ersten Mal auf P & T aufmerksam geworden und wie ist die Kollaboration zwischen P & T und Dir entstanden?

Jemand hat mir von einem tollen Teegeschäft in Berlin erzählt und gesagt: Da würden Deine Sachen gut hinpassen. Ich habe P & T meinen Newsletter zugeschickt, worauf sich Jens bei mir mit dem Vorschlag gemeldet hat, als erster Künstler der P & T Makers Edition mit P & T zu kollaborieren.