Von Büchern & Tee, Teil 2

Einige der größten Schriftsteller der Welt schufen ihre Meisterwerke mit Hilfe von Tee. Lesen Sie mehr in unserer dreiteiligen Serie.

Image source

„Schreiben ist einfach“, konstatierte der Kolumnist Red Smith einst trocken. „Man muss sich lediglich an eine Schreibmaschine setzen, die Adern öffnen und bluten.“

Selbst die größten Schriftsteller geben offen zu, ihr Talent durch Übung und harte Arbeit entwickelt zu haben, was nicht heißt, dass sie Seite um Seite strahlender Prosa hervorbrächten. Um mit Ernest Hemingway zu sprechen: „Der erste Wurf ist immer Mist.“ Ein Meisterwerk zu schreiben erfordert Arbeit, Hingabe, Zeit – und für viele Autoren im Laufe der Geschichte auch Unmengen an Tee.

Im ersten Teil unserer dreiteiligen Serie berichteten wir von Fjodor Dostojewski und Saul Bellow – nachlesen können Sie diesen Teil hier. Lesen Sie hier von drei weiteren Autoren, bei denen Tee unverzichtbar zum täglichen Schreibritual gehörte.

C. S. Lewis

„Es gibt keine Tasse Tee, die groß genug, und kein Buch, das lang genug ist, um meinen Durst zu stillen“, behauptete der Autor der Chroniken von Narnia einst. Seinen perfekten Arbeitsalltag beschrieb er bis ins Detail. Diszipliniertes Zeitmanagement, ein ambitionierter Terminplan und das pünktliche Servieren guten Tees wurden vorausgesetzt:

„Am liebsten würde ich immer um Punkt acht Uhr frühstücken und um neun an meinem Schreibtisch sitzen, um dort bis ein Uhr zu lesen oder schreiben. Umso besser, wenn mir um elf herum eine Tasse guten Tees oder Kaffees gebracht werden könnte. […] Um genau ein Uhr sollte das Mittagessen auf dem Tisch stehen; und spätestens um zwei sollte ich unterwegs sein. Nicht, außer in seltenen Intervallen, mit einem Freund. Spazieren und angeregte Unterhaltung sind zwei große Vergnügen, doch ist es ein Irrtum, beide zu kombinieren. […] Die Rückkehr von einem Spaziergang und das Servieren eines Tees sollten zeitgleich und nicht später als Viertel nach vier geschehen. Tee sollte immer alleine genossen werden, […] da Essen und Lesen zwei Freuden sind, die sich wunderbar kombinieren lassen.“

Quelle

Simone de Beauvoir

Wie C.S. Lewis war die Schriftstellerin und Philosophin, deren Schaffen die einflussreiche feministische Schrift Das andere Geschlecht umfasst, für ihre disziplinierte Arbeitsmoral bekannt. Auch wenn de Beauvoir von sich selbst behauptete, kein besonderer Morgenmensch zu sein, warf sie ihren Kreativmotor jeden Tag mit einer dampfenden Tasse Tee an:

„Ich möchte immer möglichst schnell loslegen, doch mag ich es im Allgemeinen nicht, den Tag zu beginnen. Als Erstes trinke ich einen Tee und dann, um etwa zehn Uhr, setze ich mich an die Arbeit und arbeite bis eins. Dann treffe ich mich mit meinen Freunden und setze mich danach, so etwa um fünf Uhr, wieder an die Arbeit und arbeite bis neun.“

Beauvoir grave

Quelle / Bild

George Orwell

Der große Literat, aus dessen Feder so zeitlose Klassiker wie Farm der Tiere und 1984 stammen, nahm seinen Tee besonders ernst. Im Evening Standard veröffentlichte er 1946 einen Essay, in dem er die korrekte Zubereitung von Tee erläuterte. In diesem 11-teiligen Traktat plädiert er gegen Siebe und das Süßen des Tees, jedoch für den Gebrauch zylindrischer Tassen. „Wie kann man sich einen wahren Teeliebhaber nennen, wenn man den Geschmack durch das Hinzufügen von Zucker zerstört? Es wäre genauso sinnvoll, Pfeffer und Salz hinzuzufügen“, so Orwell.

Orwell verfasste seinen enorm einflussreichen und erschreckend prophetischen Roman 1984 auf der kleinen Insel Jura in den schottischen Hebriden, in einer spärlich beheizten, von rauen Seewinden gepeitschten Hütte. Trotz einer sich verschlimmernden Tuberkulose weigerte sich Orwell, die Insel zu verlassen, um ärztliche Behandlung aufzusuchen – teils aus dem eigenen Verlangen, „dieses verdammte Buch fertig zu schreiben“, und teils wegen der nahenden Frist seines Verlegers. Sein berühmtestes Werk stellte er – schließlich zu schwach, um aufzustehen – in seinem Bett fertig, wobei er sich mit vielen Tassen starken Tees und handgedrehten Zigaretten wachhielt.

Das Buch wurde im folgenden Juni veröffentlicht und genoss schlagartig großen Erfolg. Sieben Monate später starb Orwell am 21. Januar, 1950 im Alter von 46 Jahren.

Orwell tea

Quelle / Bild: Vernon Richards