IM GESPRÄCH MIT MARTIN BOHACIK

Seiten eines ungeöffneten Buches, der Duft von noch zu entdeckenden Geschichten. In diesen unfreundlichen „Pandemie“ - Zeiten, in denen die digitale Information im Vordergrund steht, kehren wir in Gedanken zu analogen Freuden zurück. Als ein Werk der Druckkunst, Seite um Seite gefüllt mit Tee-Kultur, verleiht uns das Eighty Degrees Magazine genau dieses Gefühl.

Eighty Degrees, eine unabhängige Zeitschrift mit bislang drei Ausgaben, enthält in jeder Ausgabe eine Sammlung von Beiträgen von Schriftstellern, Illustratoren und Fotografen, die die große Kultur des Tees interpretieren. Dahinter steht der Gründer und Chefredakteur Martin Boháčik, den wir persönlich getroffen haben, um ein paar Fragen zu seinem Fokus-Projekt und seinem eigenen Teeweg zu stellen.

Der Name des Magazins ist ziemlich bedeutungsträchtig, wenn es zu Tee kommt. Kannst du uns sagen, was Eighty Degrees für dich und deine dahinter stehende Ideologie bedeutet?

Es war sehr schwierig, einen Namen zu finden. Es ist eine Zeitschrift über die Kultur des Tees, aber ich wollte nicht, dass das Thema durch einen Blick auf den Titel zu offensichtlich wird. Und während das Ziel der Veröffentlichung darin besteht, großartige Geschichten für Teeliebhaber zu erzählen, wollte ich auch diejenigen erreichen, die mit dem Thema weniger vertraut sind. Schließlich ist Tee sehr verbreitet, aber die Erfahrungen der Menschen waren oft nicht großartig oder nur sehr oberflächlich.

Der Titel „achtzig Grad“ soll faszinierend sein, etwas, worüber man ins Gespräch kommt. Für erfahrene Teetrinker ist dies keine Neuigkeit, aber viele Leser sind zu mir gekommen und haben gesagt, sie wüssten nicht, dass Tee bei (verschiedenen) niedrigeren Temperaturen und nicht immer mit siedendem Wasser zubereitet werden sollte. Sie haben ihre grünen Tees viel zu heiß aufgegossen und sind zu dem Schluss gekommen, dass grüne Tees nichts für sie sind. Dies ist auch sehr häufig so bei meinen Freunden, die sagen, sie hätten grünen Tee probiert, aber sie mochten ihn nicht. Nun, ich bin mir nicht sicher, ob sie ihn "tatsächlich" probiert haben! Wenn man diesen einfachen Schritt bei der Zubereitung versteht, öffnet sich sofort die Welt des Tees für jeden. Meine Mission, die Menschen zu einer besseren Tee-Erfahrung zu führen, wird oft einfach dadurch erreicht, dass sie den Titel lesen!

Wie kamst du auf die Idee, ein Tee-Magazin zu veröffentlichen?

Die Idee kam vor ungefähr zwei Jahren, als ich von einem Land in ein anderes zog und überlegte, was ich als Nächstes tun sollte. Mein beruflicher Hintergrund lag in Sprachen und Werbung, aber ich wollte etwas von Grund auf neu schaffen, etwas, das man in den Händen halten und auf unterschiedliche Weise schätzen konnte. Zu dieser Zeit bemerkte ich auch, dass viele neue Indie-Magazine zu einer Vielzahl von Themen auftauchten. Das Medium kleiner, unabhängiger Magazine eignet sich hervorragend für Nischenthemen. Sie sind normalerweise sehr gut gemacht, es wird Wert gelegt auf Design und ausdrucksstarke Grafik und sie liefern oft gut konzipierte lange Geschichten. Die Art von Geschichten, die Sie dazu einladen, langsamer zu werden und sich richtig mit einem Thema zu befassen. Und Verlangsamung ist entscheidend für Tee. Aber so sehr ich auch suchte, ich konnte nichts finden, was meinem Anspruch bei dem Thema Tee genügen würde. Ich hatte keine Erfahrung als Verleger, aber die Herausforderung lockte mich und ich so entschied mich dafür.

Hattest du immer eine enge Verbindung zur Tee-Kultur?

Meine Teegewohnheiten begannen als Teenager, aber ich trank nur das, was mir mit meinem nicht vorhandenen Wissen zur Verfügung stand. Es gab Earl Grey als Teebeutel, aber das war's. Erst als ich nach London zog, bemerkte ich, dass es tatsächlich Teeläden gab, in denen loser Tee verkauft wurde. Also habe ich mein Sortiment erweitert und einen Jasmintee hinzugefügt. Dies waren meine zwei Teesorten für ein Jahrzehnt.

Vor ungefähr drei Jahren lernte ich einige Leute kennen, besonders aus China, die mich mit anderen Tees bekannt machten und alles änderte sich. Jetzt möchte ich immer neue Sorten ausprobieren. Meine Freunde und Familie finden es merkwürdig, dass man sich so sehr für Tee interessieren kann. Für sie ist es nur etwas, das sie sehr billig kaufen und trinken, wenn man krank ist oder keinen Kaffee will.

Kannst du uns einen Überblick über die Entwicklungsphasen bei der Vorbereitung einer Ausgabe geben?

Alles beginnt mit einer Vision, worum es in der neuen Ausgabe gehen sollte. Es mag zunächst einfach klingen, aber die Themen ändern sich unweigerlich im Laufe des Prozesses. Ich habe eine Struktur, der ich folgen muss, um ein gewisses Maß an Konsistenz zwischen den Ausgaben aufrechtzuerhalten, aber die Zeit, die ich für jede einzelne Entwicklungsstufe verwenden kann, ist sehr begrenzt, da ich vornehmlich alleine arbeite.

Je länger das Magazin existiert, desto mehr Ideen kann ich sammeln und desto einfacher ist zu verstehen, was sich in einer Ausgabe sinnvoll verbinden lässt. Es ist sehr schwierig zu entscheiden, welche Artikel veröffentlicht werden und welche Art von Bilder sie begleiten. Aber am Ende klappt es meistens gut.

Das Druckverfahren ist sehr aufregend, aber es ist auch der Bereich, über den ich am Wenigsten Kontrolle habe. Sobald ich mich dazu verpflichtet habe, eine große Anzahl von Zeitschriften zu drucken, gibt es kein Zurück mehr. Im besten Fall läuft alles gut und alles ist perfekt. Das kam aber bislang noch nicht vor! In den häufigeren, nicht so perfekten Fällen kann ich nur von meinen Fehlern lernen. 

Dein Magazin scheint auch ein Treffpunkt für deine Leser zu Kulturaustausch zu sein, richtig?

Die offensichtlichsten Leser sind natürlich Teetrinker. Sie waren die zahlreichsten und lautesten Fans, die sagten, dass dies die Zeitschrift sei, auf die die Branche gewartet hat. Seit dem Start des Magazins habe ich jedoch auch Feedback von Leuten erhalten, die es nicht unbedingt entdeckt haben, weil sie nach Tee suchten. Bei Einigen wurde das Interesse durch Design und Bilder geweckt, bei anderen durch die Vielfalt der Artikel. Jede Ausgabe enthält Artikel über Geschichte und verschiedene kulturelle Aspekte, die für sich und nicht nur im Zusammenhang mit Tee interessant sind. Es gibt dort auch immer einen kleinen Beitrag zum Reisen, was mir sehr gefällt. Ich liebe es, Reiseerlebnisse anderer zu lesen und zu träumen.

Was hast du auf deinen Reisen über den globalen Tee-Trend gelernt?

Ich war schon vor der Zeitschrift Teetrinker gewesen, aber seit ich an der ersten Ausgabe arbeitete, bin ich völlig in die Kultur eingetaucht. Ich würde niemals behaupten, ein Experte zu sein oder genug Wissen zu haben, aber das Reisen mit der Absicht, Inhalte für das Magazin zu beschaffen, hat mir eine ganz andere Sichtweise gegeben.

Anfang 2019 ging ich in Vorbereitung auf die zweite Ausgabe nach Japan, wo ich viele Hersteller und Experten traf. Japan ist ein sehr traditionelles Land, aber auch eines, das vor Innovationen nicht zurückschreckt. Es war sehr interessant zu sehen, wie einige Bereiche der Landeskultur an dem Althergebrachten festhalten und jahrhundertealte Traditionen und Rituale fortführen. Und nicht nur als Nischen-Darbietung für Touristen, die Teezeremonie ist ihnen wirklich wichtig. Für viele Menschen und bei vielen Gelegenheiten bleibt es ein grundlegender Teil ihres Lebens.

Auf der anderen Seite schaffen viele Teeanbauer und Händler mit dem Aufkommen von Kaffee und anderen westlichen Innovationen neue Tee-Erlebnisse und bringen sie auf ein völlig anderes Niveau. Neue moderne Teeläden werden immer häufiger und sind in der Tat sehr erfrischend.

Nach Gesprächen mit vielen Tee-Experten auf der ganzen Welt ist klar - es sind sich alle einig, dass Tee an Bedeutung gewinnt. Die Beliebtheit der meisten Produkte ist verläuft in Kurven, das Interesse daran erreicht seinen Höhepunkt und versinkt wieder. Viele glauben, dass Tee auf dem Weg ist, der neue Kaffee zu werden, da die Märkte immer nach etwas Neuem und dem „nächsten großen Ding“ verlangen. Erhöhte Transparenz, Sensibilisierung und Zugang zu Informationen über die Herkunft von Tees und die Menschen dahinter fördern die Entwicklung der Tee-Kultur.

Was können die Leser in Zukunft von Eighty Degrees erwarten?

Das Magazin ist noch recht jung und entwickelt sich weiter. Ich hoffe, seine Stimme durch die Inhaltsstruktur und die Online-Präsenz zu stärken, aber idealerweise auch durch das Erweitern des Teams. Bestimmte interne Entwicklungen werden relativ kurzfristig stattfinden, aber auf der Außenseite sind sie möglicherweise nicht so sichtbar.

Auf der anderen Seite bekomme ich viele Rückmeldungen von Lesern, wozu ich auch immer ermutige, die helfen, das Magazin zu formen und zu verbessern. Ich möchte sie stärker in den Erstellungsprozess einbeziehen, sei es in Form, Inhalt oder Bild.

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Als die unerwartete Ausbreitung der Pandemie zu Beginn der Zusammenarbeit von P & T mit Eighty Degrees Mitte März zum Alles bestimmenden Tenor wurde, mussten wir unsere Veranstaltung in der Hoffnung auf eine bessere Zeit verschieben.

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