Auf eine Tasse Tee mit: David Schiller [Interview]

The Little Book of Zen ist ein Buch voller Entdeckungen, sein eigenwilliger Geist feiert Ideen aus dem Zen-Buddhismus, die heute immer noch enorme aktuell sind: Achtsamkeit, Meditation, Mitgefühl, Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt und die Suche nach einem tieferen Sinn im Leben. The Little Book of Zen versucht weder Zen zu definieren noch sein berühmtestes Koan zu beantworten - Welches Geräusch macht eine klatschende Hand? Das farbenfrohe Buch lädt einfach ein, die Welt mit Ruhe zu betrachten. Auf jeder Seite finden Sie ein Zitat, einen Satz, eine Geschichte, ein Koan, ein Haiku oder ein Gedicht, als Einladung zum Innehalten. Achtsamkeit zu üben erstreckt sich von Komplexem bis zu Alltäglichem und allem, was dazwischen liegt. Sie bezieht sich auf den Akt des Nachdenkens über die Schönheit des gegenwärtigen Augenblicks. Zum Beispiel, eine Tasse Tee ganz bewusst zu genießen. Wir haben uns mit dem Autor von The Little Book of Zen, David Schiller, zusammengesetzt, um über Zen, die Parallelen zu Teezeremonien, und sein neues Buch zu sprechen.

Woher kam die Inspiration für The Little Book of Zen?

David: Es begann mit einer lebenslangen Faszination für Zen und Buddhismus, einer Liebe zur Sprache, vielen Besuchen zu Zen-Klöstern, meiner Meditationspraxis und einer ganzen Menge an Lesestoff über das Thema. (Zu den vielen Paradoxen des Zen gehört, dass sie eigentlich besagt, dass Worte kein Ersatz für Erfahrung sind, und dennoch wurden Millionen von Worten über Zen geschrieben, auch von vielen der alten Meister selbst.) Und es gab noch eine tiefer gehende Inspiration: Zen fühlt sich einfach wahrhaftig an. Das Buch ist meine Art, dieses Gefühl zu teilen.

Gab es Herausforderungen, die Sie beim Schreiben überwinden mussten?

David: Ein Kleinkind großziehen!

In welcher Umgebung schaffen Sie Ihre beste und authentischste Arbeit?

David: Zum Glück brauche ich kein besonderes Umfeld, um zu arbeiten. Ich bin gerne in der Nähe eines Fensters, das ich öffnen kann. Und ich sehne mich nach einer angemessenen Menge an Stille (ich liebe zwar mein lokales Café, finde es aber unmöglich, in solch einem geschäftigen Café zu schreiben). Vor langer Zeit habe ich eine wertvolle Lektion gelernt, als ich für ein Unternehmen arbeitete, das zu schnell gewachsen war – mein „Büro“ war nur ein Karton und den trug ich jeden Tag zu einem neuen Schreibtisch der gerade leer stand. Kurz darauf folgte eine weitere ebenso wertvolle Lektion: Ich lebte jahrelang in einem ziemlich großen Haus und hatte im dritten Stock ein schönes eigenes Büro. Und doch schrieb ich am liebsten  am Küchentisch.

Nun, da das Buch in der Welt ist, was erhoffen Sie sich für Ihre Leser?

David: Meine Hoffnung ist, dass der Leser willkürlich jede Seite aufblättern kann um ein Zitat, einen Gedanken, einen kurzen Aufsatz, eine Zeichnung zu finden, die ihn innehalten und nachdenken lässt. Die ihn vielleicht in einen Moment der Ruhe oder Klarheit bringt . Oder ihn überrascht! Das Buch soll auch zeigen, dass Zen das Produkt einer langen, reichen - und im klösterlichen Sinne - sehr ernsten Tradition ist, deren Wahrheiten – dass wir unsere Illusionen und Wahnvorstellungen durchbrechen und im Moment als gegenwärtige, mitfühlende Wesen leben müssen, die mit allen und allem verbunden sind – universell sind. Nur die Methoden wie wir Zen erreichen, unterscheiden sich. Einige, wie Meditation, können wir ziemlich leicht lernen und praktizieren, mit wunderbaren Ergebnissen. Andere, wie die Koan-Praxis, also die Beantwortung einer Frage wie Wie klingt das Klatschen einer Hand?, erfordern eine lebenslange Zusammenarbeit mit einem Zen-Meister. Ich wollte zeigen, dass Zen mehr ist als ein Synonym für Achtsamkeit. Und es gibt auch ein paar praktische Ziele: wie meditiert man, wie bewegt man sich durch die Welt, wie sieht man mit Intention, wie atmet man.

Wie kann etwas so Einfaches wie Tee dazu beitragen, dass Menschen im Alltag zur Ruhe kommen?

David: In seiner Einfachheit liegt schon das Geheimnis: Es ist eine einfache Freude. Wenn wir auch nur etwas Achtsamkeit bei der Zubereitung des Tees aufwenden, bewusst die Kanne auswählen, das Wasser erhitzen, den Dampf einatmen, den ersten Schluck schmecken, können wir fast unmerklich in einen Ruhezustand ankommen.

Wie schaffen Sie Raum in Ihrem Leben für Zen? Haben Sie tägliche Rituale, die Ihnen helfen, Ihren inneren Frieden zu wahren?

David: Die Antwort auf die erste Frage liegt in der Zweiten: tägliche Rituale. Ich habe mehrere. Yoga, jeden Morgen. Kochen, was ich finde, ein starkes Gefühl von Aufmerksamkeit und Achtsamkeit erzeugt. (Obwohl ich nicht empfehle, sich im hantieren von scharfen Messern oder hohen Flammen ablenken zu lassen!) Ein weiteres Ritual habe ich von einem niederländischen Künstler und Autoren, Frederick Franck, übernommen, der mehrere schöne, weise Bücher über Zen und das Sehen geschrieben hat. Er argumentierte das Zeichnen als eine Form der Meditation sei. Ich stimme dem zu. Ich versuche jeden Tag zu zeichnen.

Gerade in der japanischen Zen-Tradition spielen Tee und Teezeremonien eine große Rolle, um sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren. Was halten Sie von diesen Verbindungen?

David: Ich liebe sie. Warum sollten wir nicht schon beim Aufbrühen einer Tasse Tee Schönheit, Präsenz, Achtsamkeit, sogar Heiligkeit finden? Dies ist die Kraft des Rituals, die uns aus unserer natürlichen Neigung zum Abdriften herausholt und uns wirklich auf den Moment konzentrieren lässt.

Wir arbeiten viel mit ayurvedischen Prinzipien in unseren Teemischungen, um physisches und psychisches Gleichgewicht zu fördern. Wie spielt Ihrer Meinung nach körperliches Wohlbefinden dazu bei, inneren Frieden zu finden?

David: Das ist unabdinglich. Wenn Sie sich körperlich nicht wohl fühlen, ist es sehr schwer, an etwas anderes zu denken, als wie Sie sich fühlen. Sowas führt zu Sorgen und Ablenkungen, die es fast unmöglich machen inneren Frieden zu finden oder zu erreichen. Ich denke, dass alles, was unser Gleichgewicht beeinträchtigt, eine Art innerer Aufruhr verursacht. Das einzig Gute daran ist, dass das motivierend wirken kann und uns dazu bringt, stabilere und friedlichere Orte aufzusuchen. Als Zen im Westen auftauchte, war eines der „Probleme“, der Dualismus, diese typisch westliche konzeptionelle Spaltung zwischen Geist und Körper. Langsam sind die Ideen des Zen mit der größeren Wellness-Bewegung verschmolzen. Viele Menschen verstehen inzwischen, dass wir unserem Körper genauso viel Aufmerksamkeit schenken müssen wie unserem Geist.

Und zuletzt, haben Sie einen Lieblingstee?

David: Pfefferminztee. Den brühe ich mir jeden Abend vor dem Schlafengehen auf. Und in letzter Zeit trinke ich recht viel Saemidori Sencha.

David Schiller ist ein Autor mit vielseitigen Interessen, zu dessen Büchern The Little Book of Zen, The Little Book of Prayers, Seeing Your Way to Mindfulness und Guitar gehören. Er ist auch ein Künstler, dessen Zeichnungen in neueren Büchern zu finden sind, darunter Little Book of Zen und im Kochbuch Gazoz, aber auch auf Instagram @openyouri. Er lebt mit seiner Familie in New York.

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